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Mein lieber André...


Also...

Zunächst einmal...

Die Existenz hat auch ihre gute Seiten.

Sie kann sehr viel Spass machen.

Das sollte man nie vergesssen.

Zum Beispiel die Liebe...

Falls man sie findet.

Und falls man ihr gewachsen ist.

Und dann, falls man der Liebe gewachsen ist, Mutter sein.

Vater sein.

Und dann dem gewachsen sein...

Ja, wir müssen andauernd mit der Existenz mitwachsen.


Das ist vielleicht das Wichtigste:

Niemals stehen bleiben.

Immer bereit sein für Veränderung, für das Neue.

Angst haben, ja, klar.

Aber lernen die Angst zu überwinden.

Die Realität anzuerkennen.

Die Illusionen betrauern.

Den eigenen Mut zurückkommen spüren.

Und mitwachsen.  

Immer mitwachsen.

Immer weiter mitwachsen.






Die Widersprüchlichkeit und das Absurde unserer Situation nicht nur aushalten, sondern darüberhinaus lernen unsere Existenz -

wie auch immer sie nun eben sein mag - aus ganzem Herzen zu bejahen. - Das versuche ich.



Ja: Wir treiben auf einen Abgrund zu. Wir sind als Spezies leider eben doch immer noch zu dumm um unsere Geschicke selber zu lenken. Und das ist furchtbar. Wir werden Schuld sein am Tod von Millionen, vermutlich Milliarden, die in diesem Abgrund versinken werden. Weil wir zu egoistisch oder zu faul oder zu dumm sind und jetzt nichts an unseren irgendwie doch ganz bequemen und priviligierten Leben verändern wollen. Und ja, das alles ist absolut zum Verzweifeln. Ich sehe es klar vor meinen Augen und es verschlägt mir den Atem.



Und dennoch. Heute. Hier. Jetzt. In dieser, meiner ganz konkreten Existenz, gibt es Momente, die alles aufwiegen. Alles Leiden aufwiegen. - Momente von Zärtlichkeit. Momente von Liebe. Momente von absoluter Hingebung an den Moment.Momente von Unschuld und Leichtsinn. - Ja. Auch jetzt noch. Trotz allem was wir wissen. - Es ist verrückt. Wir atmen eine seltsame Existenz. Wir sind Teil eines verrückten Universums.





Jetzt kommt es darauf an Mut zu haben. Mut, die Situation nach und nach so zu sehen, wie sie ist. Mut, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen und uns aus unserer sehr bequemen Unmündigkeit herauszudenken. Mut, uns jetzt konsequent verhalten.


Mut, unsere Kinder, wenn sie dann so weit sein werden, auf diese chaotsiche Welt, in der sie überleben werden müssen, vorzubereiten.

Ihnen die Wahrheit zu sagen, ohne falsche Hoffnung.


Und sie dann selbst entdecken lassen, dass sie den Mut in sich tragen.

Die Hoffnung. Die gesamte Hoffung des Universums. Weil sie gut sind.

Weil sie stark sind. Und weil sie unbeirrbar sind. - Wenn wir sie sie selbst sein lassen.


Ich versuche alles für sie tun, was irgendwie in meiner Macht steht.

Wir dürfen sie so wenig wie möglich beschädigen.